

-hgj/nj- Es gibt Sitzungen im Kölner Karneval, die sind gut. Und es gibt Sitzungen, die haften bleiben. Die gestrige (4. Januar 2026) Herrensitzung der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V. gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.
Im 9 × 11. Jahr der grün-blauen Gesellschaft war der große Saal des Maritim Hotels durch ausschließlich mit erwartungsvollen, vorfreudigen und hochkonzentrierten Männer sehr gut besucht. „Glockenschlag 12 markierte den ersten großen Gänsehautmoment in der „frauenfreien Zone“: Der Einzug des Elferrates gemeinsam mit dem kompletten Korps der Kölner Funken Artillerie war ein Manifest kölscher Karnevalskultur. Bei dem kraftvollen Spielmannszug, dem eleganten Tanzpaar Marie Steffens und Dennis Sander sowie sämtlichen Artillerietänzer verschmolzen Tradition, Disziplin und Emotion zu einem Auftritt, der minutenlangen Applaus nach sich zog.
Zuvor, als Präsident Udo Schaaf das Publikum begrüßte, lag bereits diese besondere Spannung in der Luft, die nur echte Herrensitzungen erzeugen können: Hier wird nicht konsumiert – hier wird erlebt. Sodann legten die Blauen Funken mit ihrem Sessions-Potpourri der Musiker bestehend aus karnevalistischen Evergreens und neuen Hits vor den Tänzen des Tanzpaares zusammen mit den Artillerietänzern der zweitältesten Korpsgesellschaft los und bestachen die „Häre“ von der ersten Minute bis zur Zugabe.
Mit sicherer Hand und feinem Gespür führte ab hier Sitzungsleiter Stefan Dahm durch eine Sitzung, die dramaturgisch kaum besser hätte komponiert sein können.
Humoristisch setzte Guido Cantz früh eine Marke. In seiner Rolle als „Der Mann für alle Fälle“ brillierte er mit perfektem Timing, treffsicheren Pointen und jener Selbstironie, die ihn seit Jahren zu einem der ganz Großen macht. Danach brachten die Jungen Damen der „Fauth Dance Company“ den Saal zum Brodeln – modern, kraftvoll, präzise, mitreißend und wie immer in schicken als auch knappen Kostümen.
Mit messerscharfer Beobachtungsgabe zerlegte Martin Schopps in seiner „Rednerschule“ Sprache, Gesellschaft, Alltagswahnsinn und die Einfältigkeit seiner Schüler, und bewies daß man über Bildung, Sprache und Alltag herrlich lachen kann, wenn es einer richtig erklärt.
Mit „J.P. Weber“ (Jörg-Paul Weber) folgten die leisen, allerdings auch lauten und poetischen Töne die er anschlug – kölsch, ehrlich, mitten ins Herz. Zu den Höhenpunkten seines Vortrags gehörte wie immer auch das Spiel „op d´r Flitsch“, wodurch alle Herren sich von ihren Stühlen erhoben und lautstark den „Bläck Fööss“-Klassiker von 1977 „En unserem Veedel“ mitsangen.
Die Pause: Kein ChiChi. Kein Gedöns. Sondern klassisch, deftig, genau richtig für alle die den Pausenimbiß im Saal Heumarkt gewählt hatten. Hämmchen, Püree und Sauerkraut – kölsch kulinarische Bodenhaftung für einen Nachmittag voller weiterer Höhenflüge im Programm der Kölsche Grielächer.
Im zweiten Teil zündete ein Highlight nach dem anderen. „Willi und Ernst“ (Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum), bewiesen einmal mehr, daß ihr mit Slapstick und Selbstironie gespielter Vortrag auch hier wie so oft die größte Wirkung entfaltet. Volker Weininger als „Der Sitzungspräsident“ traf mit seinem bissigen Humor bei einem „Kranz Kölsch“, den Nerv der Zeit – scharf, klug und dennoch zutiefst kölsch.
Musikalisch übernahmen die „Räuber“ das Kommando: Evergreens, neue Sessionshits und ein Saal, der jede Zeile mitsang. Das Tanzkorps Sr. Tollität „Luftflotte“ setzte dem Ganzen mit akrobatischer Präzision, Hebungen, Tempo und Eleganz ein tänzerisches Ausrufezeichen.
Und dann kam das Finale. „Kasalla“. Ein kollektiver Ausnahmezustand. Der Saal stand, sang, feierte – pure Ekstase, pure Emotion und Kölner Karneval in seiner schönsten Form.
Besonders berührend wurde es zum Schluß noch einmal persönlich: Gleich vier Mitglieder der Gesellschaft feierten am Tag der Herrensitzung Geburtstag. Im Mittelpunkt (stellvertretend für alle Geburtstagskinder Grielächer-Familisch genannt) Ehrenmitglied Henry Schroll, der gemeinsam mit seinen Söhnen Stefan (links im Bild) und Torsten sowie Enkel Max seinen 81. Geburtstag beging. Für den Enkel war es die erste Herrensitzung – ein generationsübergreifender Moment, der sinnbildlich für das steht, was diese Sitzung ausmachte: Zusammenhalt, Tradition und Herz.
Fazit: Diese Herrensitzung war kein Programmpunkt – sie war ein Statement in „grön un blau“. Für Qualität. Für Leidenschaft. Für kölschen Karneval auf höchstem Niveau. Eine Sitzung, die man nicht vergißt.
Quelle und Fotos: © 2026 Hans-Georg „Schosch“ und Niklas Jäckel/typischkölsch.de
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