Improvisation und Tränen bei der Mädchensitzung der Treuen Husaren und Großen Allgemeinen

Wenn zwei Gesellschaften des Kölner Karnevals gemeinsam einladen, ist beste Stimmung garantiert: Die KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. Köln und die Große Allgemeine von 1900 Köln e.V. haben am gestrigen Abend (29. Januar 2026) im Hotel pullman Cologne ihre Mädchensitzung gefeiert – traditionell als Doppelveranstalter.
Pünktlich um 18:00 Uhr marschierte der Elferrat ein – bestehend aus Vertretern beider Gesellschaften und begleitet von den „Flöhen“ der Großen Allgemeinen und den „Husaren Pänz“, die mit ihren Tänzen für einen tänzerischen Auftakt sorgten, wie man ihn sich nur wünschen kann. Nachwuchs und Tradition Hand in Hand.
Das anschließende Bühnenprogramm war hochkarätig besetzt: Mit Martin Schopps, „Miljö“, „Paveier“, „Rabaue“, „Kasalla“, „cat ballou“, der Tanzgruppe der Großen Allgemeinen sowie dem Tanz-, Musik- und Offizierskorps der Treuen Husaren bot sich dem Publikum ein Abend voller kölscher Tön und tänzerischer Höchstleistungen.
Ein besonders emotionaler Moment ereignete sich beim Auftritt der „Rabaue“: Albert Detmer, langjähriger Schlagzeuger der Band und Mitglied des Treuen Husaren, hatte angekündigt, nach dieser Session in den musikalischen Ruhestand zu gehen. Eigentlich hätte er beim vergangenen Korpsappell für 25 Jahre Mitgliedschaft mit der silbernen Vereinsnadel ausgezeichnet werden sollen – doch wie das bei Musikern so ist, war er unterwegs im Dienste des Fastelovends. Diese Ehrung wurde nun nachgeholt: Präsident Markus Simonian und 1. Vorsitzender Berthold Diller überreichten ihm nach dem Auftritt auf der Bühne nicht nur die silberne Vereinsnadel, sondern auch den Sessionsorden, die Jubiläumschronik sowie eine Flasche des limitierten Jubiläums-Gins der Gesellschaft. Doch damit nicht genug: Als Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit erhielt Albert zudem eine exklusive Einladung, am Rosenmontag gemeinsam mit dem Tanzpaar auf dem Festwagen des Treuen Husaren mitzufahren – ein Gänsehautmoment, der Albert Detmer zu Tränen rührte und vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.
Ein weiteres absolutes Highlight des Abends war der Auftritt von „Kasalla“ – wenn auch ganz anders als geplant. Die Band kam an, doch ihr Technikbus steckte in einer Vollsperrung fest. Ohne Instrumente und Tonanlage drohte der Auftritt zu platzen. Doch statt abzusagen, zeigte sich kölscher Impro-Geist. Frontmann Basti Kampmann: „Wir haben jetzt zwei Optionen: Entweder fahren wir wieder oder wir improvisieren – denn da stehen ja Instrumente vom Orchester.“ Die Band stimmte sich spontan mit dem Orchester Markus Quodt – unter der Leitung von Bernhard Heinl – ab und verwandelten den geplanten Auftritt in ein einmaliges Akustik-Erlebnis. Musiker der Band griffen auf die vorhandenen Instrumente zurück, das Team Quodt wurde zum Teil der Band und die Frontmänner Basti Kampmann und Flo Peil performten unplugged – ganz nah am Publikum, ganz großes Kino. Der Saal tobte.
Den stimmungsvollen Abschluß des Abends lieferte „cat ballou“, die noch einmal alle Kräfte mobilisierten und den Saal in ein Finale aus Gesang, Rhythmus und kölscher Lebensfreude entließen. Für die beiden Präsidenten Markus Simonian (Treuer Husar) und Markus Meyer (Große Allgemeine) war der Abend ein weiterer Beweis für die starke Freundschaft beider Gesellschaften und für die Lebendigkeit des Kölner Karnevals. Die Zusammenarbeit zeigt, wie kölscher Fastelovend heute funktioniert: generationsübergreifend, traditionsbewusst, musikalisch vielfältig – und getragen von echter Freundschaft. Oder, wie es bei den Treuen Husaren heißt: #EinFamilich. Gleichzeitig war es auch ein Abschied mit Wehmut: Nach vielen unvergeßlichen Jahren wird die Damensitzung im pullman Cologne nicht fortgeführt werden können – das Hotel wurde verkauft und steht für die kommende Session nicht mehr zur Verfügung. Doch der Blick geht klar nach vorn: Ab 2027 ziehen die Gesellschaften mit dieser traditionsreichen Veranstaltung in die Sartory-Säle.
Quelle und Foto: KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. Köln


Nach der Pause erfolgte beim Auftritt der Tanzgruppe die Ernennung von Ute Funk durch deren Leiter René Heß zu ersten weiblichen Ehrentänzerin bei den Greesbergern. Hiernach gehörten Martin Schopps und den „Paveier“ die nächsten Programmnummern vor dem Besuch des Kölner Dreigestirns.

Ein besonderes Markenzeichen der Hääre-Sitzung ist die legendäre Original-Bütt aus den 1950er Jahren, die die Roten Funken auch 2026 wieder auf die Bühne holten. In dieser geschichtsträchtigen Bütt trugen einstige und tragen heutige Kölner Karnevalsgrößen ihre Reden vor. Namen wie Hans Hachenberg „Doof Noss“, Hans Bols Et Botterblömche“, Fritz Schopps „Et Rumpelstilzche“ und Karlheinz Jansen „Ne Tröötemann“, 65 Jahre Mitglied der Roten Funken (Biername „Spreutz“), stehen exemplarisch für die große karnevalistische Tradition, die hier gepflegt und lebendig gehalten wird.

Seinen Ursprung hat dieses Konzept in der Amtszeit von Theo Jussenhofen, der als Präsident und Kommandant der Blauen Funken die Vision entwickelte, eine Veranstaltung mit leiseren Tönen zu schaffen, die dennoch ein vollständiges, anspruchsvolles Sitzungsprogramm bietet. Diese Idee erwies sich als Volltreffer: Seit der Premiere sind die Karten begehrt, Wartelisten die Regel und der Vorverkauf beginnt oft, bevor der letzte Applaus der laufenden Session verklungen ist.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem gemeinsamen Auftritt des Kölner Dreigestirns 2026 und des Kölner Kinderdreigestirns. Präsident Björn Griesemann nutzte diesen Moment, um den zahlreichen ehrenamtlichen Begleitern beider Trifolien seinen ausdrücklichen Dank auszusprechen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte er der Adjutantur des Kölner Dreigestirns einen Gutschein für einen gemeinsamen Abend bei den Blauen Funken. Die jungen Tollitäten und ihre Pagen durften sich zudem über Kinogutscheine freuen, die ihnen vom Elferrat überreicht wurden.
Anschließend gehörte die Bühne dem grün-gelben Tanzpaar und den Kadetten der EhrenGarde, die mit Präzision und Eleganz überzeugten. Nach dem musikalischen Auszug aus dem Saal übernahmen bis zur Pause die Künstler das Zepter: Thomas Cüpper als „Et Klimpermännche“ begeisterte mit feinem Humor und musikalischem Können, die „Paveier“ sorgten für kölsche Emotionen, und Jörg Runge bewies als „Dä Tuppes vum Land“ einmal mehr, warum er als bester Reimredner des rheinischen Karnevals zwischen Mainz und Düsseldorf gilt.
Auf der Bühne angekommen, hieß Präsident Markus Wallpott die jecke Damenschar herzlich willkommen und überließ dem Kölner Kinderdreigestirn die ersten Minuten des Nachmittags. Danach gehörte das Podium ganz den „Pänz“: Die Kinder- und Jugendtanzgruppe „Tanzmäuse“ sowie die kleinen Tollitäten rührten Mamas, Omas, Tanten und große Schwestern zu mehr als einem feuchten Augenwinkel.

Bütt, Wortwitz und kölscher Humor








Mit gewohnter Souveränität, Charme und einem feinen Gespür für Dramaturgie führte Simone Kropmanns durch den Abend. Gleich zu Beginn schrieb sie Vereinsgeschichte: Erstmals in der über 80jährigen Historie der Kölnischen KG wurde ein ausschließlich weiblich besetzter Elferrat vorgestellt. Der Moment wurde vom Publikum mit langanhaltendem Jubel, Standing Ovations und spürbarer Begeisterung gefeiert – ein starkes Zeichen für gelebte Tradition und moderne Weiterentwicklung zugleich.
Musikalisch ließ die Sitzung keinerlei Wünsche offen: „Kasalla“ brachten den Saal mit ihren Hymnen zum Kochen, bevor „Willi und Ernst“ – gespielt von Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum, den Koblenzer Bühnenlieblingen im Kölschen Fastelovend – mit pointierten Dialogen und feinem Humor für Lachsalven sorgten.
Charmant, pointiert und mit viel Herzblut führte Dr. Björn Braun, Präsident der Altstädter Köln, durch den Abend. Unter seiner Moderation entwickelte sich die Benefizveranstaltung zu einer mitreißenden Zeitreise durch sechs Jahrzehnte kölscher Karnevalsmusik, meisterhaft in Szene gesetzt von 1st Class Entertainment.
Musikalisch blieb kein Wunsch offen: „Druckluft“, „cat ballou“, „Lupo“, die StattGarde Colonia Ahoj mit Bordkapelle, Shanty-Chor sowie last not but least ihrem phänomenalen Tanzkorps, „Brings“, „Kasalla“, die „Klüngelköpp“ und als strahlender Höhepunkt das Kölner Dreigestirn rissen das bunt kostümierte und äußerst feierlaunige Publikum bei allen Programmhöhepunkten mit. Die Stimmung? Wie bei einem Sitzungsball unmittelbar vor Rosenmontag – euphorisch, ausgelassen, voller kölscher Seele.















Die Wagen, die in den nächsten Wochen das Bild des Kölner Karnevals maßgeblich mitprägen werden, stehen nun bereit, um unsere Farben, Werte und Traditionen weithin sichtbar durch die Straßen Kölns zu tragen. Sie sind nicht nur ein logistisches Element des närrischen Treibens, sondern auch ein rollendes Aushängeschild unseres Vereins und Ausdruck gelebten Brauchtums“ betont Bürgergarde-Präsident und Kommandant Markus Wallpott.


