Ein Abend, der bleibt. Prunksitzung des Reiter-Korps „Jan von Werth“ im Gürzenich

-hgj/nj- Es gibt Sitzungen im kölschen Fasteleer, die sind mehr als Programm, mehr als Musik, Tanz und Rede. Sie sind Gefühl. Sie sind Gemeinschaft. Sie sind dieses kaum erklärbare Kribbeln zwischen Lachen, Rührung und stolzem Innehalten. Die Prunksitzung des Reiter-Korps „Jan von Werth“ am 10. Januar 2026 im Gürzenich war genauso ein Abend – ein närrisches Gesamtkunstwerk in grün und weiß.
Nur wenige Tage nach dem glanzvollen Korpsappell mit der Proklamation des neuen „Jan un Griet“-Paares Horst-Peter und Melanie Becker im Palais der Flora öffnete das Korps mit seiner Prunksitzung erstmals öffentlich die Türen dieser Session. Und wer an diesem Abend den Gürzenich betrat, spürte vom ersten Moment an: Hier wird nicht einfach Karneval gefeiert – hier ist der Fastelovend zu Hause.
Der Auftakt gehörte den Kleinsten, den „Jan von Werth“-Pänz, die mit ihren Tänzen Herz und Saal im Sturm eroberten. Noch bevor sie selbst die Bühne ganz für sich beanspruchten, ließen sie – mit einer Selbstverständlichkeit, die berührte – dem am Vorabend proklamierten Kölner Dreigestirn den Vortritt. Ein Moment voller Symbolik: Jugend, Tradition und Zukunft Hand in Hand.
Was folgte, war ein Abend mit zehn Programmpunkten, die sich anfühlten wie eine Reise durch alle Emotionen des Karnevals. Guido Cantz, von Präsident und Literat Stefan J. Kühnapfel treffend als „Mann für alle Fälle“ angekündigt, zündete ein Feuerwerk aus Pointen und Beobachtungen. Kasalla“ riß das Publikum mit Evergreens und frischen Sessionstiteln aus den Stühlen und machte den Gürzenich zur Mitsing-Arena in Abendgarderobe.
Volker Weiniger nahm das Publikum mit an die Theke – dorthin, wo Freundschaften entstehen, Geschichten eskalieren und Erinnerungen geboren werden, über die man Tränen lacht. Zwischen nackten Saunagängen die schon beim Verlassen des Hotelzimmer beginnen, Stützrädern am Kettcar und herrlich absurden Lebensmomenten blieb kein Auge trocken – „die Äujelcher titschten“ gleichwohl bei Publikum und Elferrat.
Einen besonderen, leisen und gleichzeitig kraftvollen Akzent setzten „Schängs Schmölzje“. Mit Akkordeon, Geige und Kontrabaß brachten sie feine kölsche Krätzjer auf die Bühne – ehrlich, handgemacht und wohl zum ersten Mal in dieser Form auf einer Kölner Karnevalsbühne zu erleben.
Dann der Moment, auf den viele warteten: Der Einzug des Reiter-Korps selbst. Zu schmissigen, heiteren Tönen der Korpskapelle glitt das Korps in den Saal, und einmal mehr wurde deutlich, daß diese Bühne mehr ist als nur ein Auftrittsort. Besonders die 1. Schwadron als Tanz- und Reservekorps zeigte gemeinsam mit Marketenderin Lisa Quotschalla und Tanzoffizier Sascha Beslic beeindruckende Choreografien voller Präzision, Kraft und Eleganz – getragen von sichtbarer Freude und spürbarem Stolz.
Ein emotionaler Höhepunkt des Abends war die Ehrung eines Mannes, der seit vielen Jahren untrennbar mit dieser Sitzung verbunden ist: Claus-Jürgen Schmitz. Jahr für Jahr Stammgast mit einer großen Gästeschar, verlässlicher Freund des Korps und treuer Begleiter –- an diesem Abend wurde ihm ein besonderer Dank zuteil. Er wurde zum Leutnant der Reserve ernannt und trägt nun voller Stolz den Ehrendienstgrad des Reiter-Korps „Jan von Werth“. Verzälloffizier Chris Schmitz brachte es im Interview auf den Punkt: eine Auszeichnung für gelebte Verbundenheit, jahrzehntelange Treue und echte Leidenschaft für das Korps.
Nach der Pause blieb das Gürzenich-Foyer so leer wie selten, denn die StattGarde Colonia Ahoj hielt den Saal fest im Griff. Mit Bordkapelle, Shanty-Chor und einem Tanzkorps, das einmal mehr Maßstäbe setzte, wurde der Gürzenich zur tosenden Welle. Hebungen, Spagate, fliegende Schrittfolgen – gefeiert mit Standing Ovations, Jubelrufen und nicht enden wollendem Applaus.
Zwischen 23:00 und 23:40 Uhr steigerten sich durch den Auftritt der StattGarde Colonia Ahoj die Emotionen noch einmal zu einem Finale, das kaum zu toppen war. „J. P. Weber“ (Jörg-Paul Weber) füllte den Saal mit Stimme, Wucht und Gefühl. Die „Bläck Fööss“ spannten den Bogen von ihren Anfängen im Jahre 1970 bis ins Heute. Und „Eldorado“ bewiesen musikalisch mit ihren Liedern und Songs eindrucksvoll, warum sie innerhalb weniger Jahree zu Lieblingen der jungen als auch der erfahrenen Jecken geworden sind.
Als die letzten Töne von Markus Quodt und seinen Musikern verklungen waren, leerte sich der Saal zwar schnell – doch der Abend war noch lange nicht vorbei. Im Foyer wurde bei Kölsch, Sekt und vielen Gesprächen bis tief in die Nacht nachbesprochen, gelacht, erinnert und gespürt wie diese Prunksitzung war: Diese Prunksitzung war mehr als ein Programmpunkt im Sessionskalender. Sie war ein Versprechen. Ein Gefühl. Und ein närrisches Meisterstück, das im Gedächtnis nachhallt und bleibt.
Quelle und Fotos: © 2026 Hans-Georg „Schosch“ und Niklas Jäckel/typischkölsch.de
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Das Bühnenprogramm las sich wie das „Who is Who“ des kölschen Karnevals: „Willi und Ernst“ (Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum“, die Jugendtanzgruppe der Greesberger, „Kuhl un de Gäng“, „Berniebärchen“ Bernd Stelter sowie „Kasalla“ mit ihrem weitgestreckten Repertoire sorgten vor der Pause für Lachtränen, Gänsehaut und textsichere Mitsing-Chöre. Nach der Pause übernahmen die phantastischen Tänzerinnen und Tänzer der Greesberger Tanzgruppen das Kommando, bevor Volker Weininger wieder in seiner Type als „Der Sitzungspräsident“ brillierte. Nach den Hits von „Miljö“ gehörte das Podium dem am Vorabend proklamierten Kölner Dreigestirn und schließlich den „Räubern“ die das närrische Finale einläuteten. Über 1.300 Gäste feierten, sangen und tanzten – beseelt, stolz und vollkommen zurecht begeistert.




















Den ersten Akt bildete die Kindertanztruppe PG Pänz, gefolgt von der Begrüßung durch Kommandant Marcel Kappestein. Dieser stellte Engagement und Verantwortung aller Ehrenamtler in den Mittelpunkt seiner Rede, so etwa das die Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. nicht nur das diesjährige Kölner Dreigestirn stelle, sondern auch die Prinzenwache und das gesamte Korps tagein tagaus auf Bühnen, in Krankenhäusern, Seniorenstiften, Kitas et cetera unterwegs sei, um Freude zu stiften und Gutes für die gesamte Stadt zu tun.
Nach der Vereidigung von 11 neuen Kameraden betrat das designierte Kölner Dreigestirn zum letzten Mal vor ihrer Proklamation die Bühne. Der Saal tobte, denn es handelt sich – sehr zum Stolz der Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. – diesmal um drei Kameraden aus den eigenen Reihen: „Prinz Niklas I.“ (Jüngling), „Bauer Clemens“ (von Blanckart) und „Jungfrau Aenne (Stefan Blatt). Schriftführer Marcus Gottschalk hob den einmaligen Traum im Leben großer Karnevalisten hervor „ Ihr seid drei von einer Million Kölner, die diesen Traum leben dürfen – genießt jeden Augenblick!“




Ein Anker für die Marie – gelebte Freundschaft über den Rhein hinaus
Verdiente Altstädter im Rampenlicht
Ein feierlicher Abschluß – und ein kölscher Blick nach vorn

Schon der musikalische Auftakt ließ die Bedeutung des Abends spüren. Die Korpskapelle „Jan von Werth“ eröffnete den Appell mit einer festlichen Ouvertüre, die durch gesangliche Akzente zweier Solisten eine besondere emotionale Tiefe erhielt. Nahtlos fügte sich daran der Auftritt der Puppenspieler des Hänneschen Theaters an, das mit einer eigens für diesen Anlaß inszenierten Darstellung der „Jan un Griet“-Legende begeisterte. Mit viel Wortwitz, Charme und feinem kölschem Humor wurde die Geschichte lebendig und erinnerte eindrucksvoll an die Wurzeln dieses traditionsreichen Amtes.
Der emotionale Höhepunkt des Abends folgte mit der feierlichen Proklamation des neuen „Jan un Griet“-Paares (Horst-Peter und Melanie Becker) durch den Präsident des Festkomitees des Kölner Karnevals Christoph Kuckelkorn und der Präsidentin Kölsche Madämcher Gabriele P. Gérard. Unter langanhaltendem Applaus nahmen das proklamierte Paar ihr Amt an und traten damit in eine Reihe von Persönlichkeiten, die diese besondere Aufgabe seit 1949 mit Leben füllen. In ihren Worten wurde spürbar, wie sehr ihnen diese Rolle am Herzen liegt: „Wir wollen Brücken bauen! Egal welche Farben wir tragen – in unseren Herzen tragen wir alle die Farben des Kölner Karnevals. Laßt uns feiern, laut und leise, aber immer bunt!“
Auch im weiteren Verlauf des Abends wurde deutlich, wie sehr Emotion und Anerkennung zusammengehören: Als eine besondere Ehrung ausgesprochen wurde und die Verdienste um den Kölner Karneval gewürdigt wurden, zeigte sich selbst bei erfahrenen Karnevalisten spürbare Rührung.
Überraschung für den Präsidenten – und ein Moment kölscher Unberechenbarkeit
Ehrungen, Auszeichnungen und besondere Ernennungen

Im Mittelpunkt des Abends stand die 53. Verleihung der Goldenen Mütze, einer der renommiertesten Auszeichnungen im Kölner Karneval. Mit langanhaltendem Applaus und sichtlicher Rührung wurde Marc Metzger, besser bekannt als „Dä Blötschkopp“, als neuer Träger der Goldenen Mütze 2026 geehrt. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den Erhalt, die Weiterentwicklung und die Authentizität des kölschen Karnevals verdient gemacht haben – eine Beschreibung, die auf Marc Metzger in jeder Hinsicht zutrifft.
Für tänzerische Glanzpunkte sorgten die beiden Tanzgruppen der Gesellschaft, die „Kölsche Harlequins“. Zunächst begeisterten die „Pänz“ mit jugendlicher Energie, Präzision und sichtbarer Freude am Tanz, bevor später die große Formation mit Ausdrucksstärke und karnevalistischer Eleganz den Saal füllte. Beide Auftritte unterstrichen eindrucksvoll die erfolgreiche Nachwuchs- und Vereinsarbeit der K.G. Alt-Köllen.
Zusätzlich wurde Christoph Kuckelkorn feierlich zum Ehrenratsherrn ernannt, der höchsten externen Auszeichnung der K.G. Alt-Köllen.



Zuvor, als Präsident Udo Schaaf das Publikum begrüßte, lag bereits diese besondere Spannung in der Luft, die nur echte Herrensitzungen erzeugen können: Hier wird nicht konsumiert – hier wird erlebt. Sodann legten die Blauen Funken mit ihrem Sessions-Potpourri der Musiker bestehend aus karnevalistischen Evergreens und neuen Hits vor den Tänzen des Tanzpaares zusammen mit den Artillerietänzern der zweitältesten Korpsgesellschaft los und bestachen die „Häre“ von der ersten Minute bis zur Zugabe.
Mit „J.P. Weber“ (Jörg-Paul Weber) folgten die leisen, allerdings auch lauten und poetischen Töne die er anschlug – kölsch, ehrlich, mitten ins Herz. Zu den Höhenpunkten seines Vortrags gehörte wie immer auch das Spiel „op d´r Flitsch“, wodurch alle Herren sich von ihren Stühlen erhoben und lautstark den „Bläck Fööss“-Klassiker von 1977 „En unserem Veedel“ mitsangen.




















