Kölsche Lebensfreude im Kristallsaal – Eine Kostümsitzung, die Herzen hob und Geschichte schrieb

Waltraud Piel und Udo Beyers vor der Überraschungsdekoration zu dessen 2 x 11. Präsidentenjubiläum
-hgj/nj- Wenn der Kristallsaal der Koelnmesse in ein funkelndes Meer aus Farben, Kostümen und kölscher Herzlichkeit getaucht wird, dann ist klar: Der Kölner Karnevals-Verein UNGER UNS von 1948 e.V. hat zur Kostümsitzung geladen. Und was die Jecken an diesem Sonntag (8. Februar 2026) erlebten, war eine Karnevalsveranstaltung von außergewöhnlicher Dichte, Wärme und Strahlkraft – ein Fest, das noch lange in den Gedanken der Gäste bleibt.
Mit dem Einmarsch des Elferrates begann ein Nachmittag, der vom ersten Moment an unter einem guten Stern stand. Zum klingenden Spiel des Regimentsspielmannszuges der Kölsche Funke rut-wieß zog der Elferrat in den Kristallsaal ein und wurde vom närrisch kostümierten Publikum frenetisch begrüßt. Nach der herzlichen Begrüßung durch UNGER UNS-Präsident Udo Beyers ließen die Roten Funken keinen Zweifel daran, daß sie gekommen waren, um Maßstäbe zu setzen: Mit ihrem aktuellen Bühnenprogramm, den Tänzen des Tanzpaares und weiteren musikalischen Glanzstücken spielten sie den Saal in kürzester Z
eit auf Betriebstemperatur.
Nicht unerwähnt bleiben darf ein ganz besonderer Akt kölscher Großzügigkeit: Heinz-Günther Hunold, Ehrenpräsident der Kölsche Funke rut-wieß, spendierte als Kommandant seiner Roten Funken an diesem Tag dem Verein spontan 100 Liter Kölsch – und erhöhte diese Summe nach einem humorvollen Zuruf aus dem Saal kurzerhand auf 200 Liter. Ein herzliches Dankeschön dafür an einen Freund des Karnevals und Unterstützer des einzigen Vereins unter dem Dach des Festkomitees Kölner Karneval.
Dass diese Sitzung frühzeitig ihren ersten Höhepunkt erreichte, war dem Auftritt von Volker Weiniger als „Der Sitzungspräsident“ zu verdanken. Sein hochprozentig beschwipster Redebeitrag wurde vom Publikum gefeiert, als habe die Sitzung bereits ihren stimmungsmäßigen Zenit erreicht – ein Beweis für die ungebrochene Kraft des klassischen kölschen Wortwitzes.
Musikalisch ging es nahtlos weiter: „cat ballou“ präsentierten bekannte Ohrwürmer ebenso wie neue Hits der Session und rissen das Publikum von den Sitzen. Die lautstark geforderten Zugaben zeigten, wie tief die Songs der Band im Herzen der Jecken verankert sind. Kaum verklungen, übernahm das Tanzcorps „Rheinmatrosen“ der G.M.K.G. die Bühne und setzte mit seiner bekannten tänzerisch-akrobatischen Präzision und Ausdruckskraft einen weiteren Glanzpunkt.
Den Abschluß der ersten Abteilung gestalteten – auf Einladung von Waltraud Piel, der Literatin des Vereins – die Jungs von „Miljö“. Mit ihrer unverwechselbaren Art begeisterten sie die Gäste aus nah und fern und machten eindrucksvoll klar, warum sie eine Woche vor Karnevalssonntag nicht mehr aus dem kölschen Sitzungskarneval wegzudenken sind.
Mit dem Einzug des Tanzkorps „Kölner Rheinveilchen“ begann die zweite Halbzeit dieser außergewöhnlichen Kostümsitzung. Gemeinsam mit dem Publikum und dem UNGER UNS-Elferrat zogen sie in den Saal ein – begleitet von Begeisterungsstürmen, die den Kristallsaal erzittern ließen. Ein Tusch nach dem anderen, gespielt vom Orchester Touche, begleitete die folgenden Programmpunkte, bei denen das Publikum kaum Luft zum Durchatmen fand: „Brings“, Martin Schopps mit seiner „Rednerschule“, „Kasalla“ und Guido Cantz – „Der Mann für alle Fälle“ gaben sich die Klinke in die Hand und sorgten für ein karnevalistisches Feuerwerk, von dem man schlicht nicht genug bekommen konnte.
Den würdigen Abschluß dieser Sitzung im 2 x 11. Präsidentenjahr von Udo Beyers gestalteten die „Domstürmer“, Ehrenmitglieder des KKV UNGER UNS. Ihr Finale war emotional, kraftvoll und zutiefst kölsch in all ihren Liedern- ein Finale, wie er passender kaum hätte sein können.
Besonders bewegt zeigte sich Waltraud Piel, die an diesem Tag letztmalig nach 25 Jahren im Elferrat Platz nahm. Der Blick von der Bühne über die Künstler hinweg in den begeisterten Saal hinein sei, so ihre Worte, einer der schönsten im gesamten Kölner Karneval gewesen – ein Moment, der ihre lange ehrenamtliche karnevalistische Laufbahn würdig krönte.
Diese Kostümsitzung von UNGER UNS war mehr als ein Programmnachmittag: Sie war ein lebendiges Bekenntnis zu kölscher Tradition, zu Gemeinschaft und zu jener unvergleichlichen Lebensfreude, die den Kölner Karneval seit jeher auszeichnet.
Quelle (Text): © 2026 Hans-Georg „Schosch“ und Niklas Jäckel/typischkölsch.de; (Foto/s): Rolf Simons
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Ein tänzerischer Glanzpunkt folgte mit den Rezag Husaren. Die Formation begeisterte mit einem rasanten Gardetanz voller Dynamik und Präzision. Besonders das Tanzpaar Stefanie Vogelsberg und Dominik Hinz der KG Fidele Grön-Wieße REZAG Porzer Ehrengarde sorgte mit eleganten Hebungen, schnellen Drehungen und perfektem Zusammenspiel für Staunen und tosenden Beifall.
Den musikalischen Startschuß setzte die Band „Druckluft“ – und zwar mit ordentlich Wumms. Spätestens bei ihrem Hit „Ich bin ne Karnevalsmaus“ war klar: Hier bleibt heute niemand stillsitzen. Als dann auch noch der Elferrat mit Mäuseohren auftauchte und Speckmäuse ins Publikum schleuderte, fühlte sich die Halle eher wie Rosenmontag als wie eine Sitzung an. Die Gäste jubelten, fingen Süßigkeiten und feierten ausgelassen.

Sodann wurde es feierlich: Unter großem Jubel zog das Kölner Dreigestirn ein. Prinz, Bauer und Jungfrau brachten den Glanz der Session ins DORINT und wurden vom Publikum mit stehenden Ovationen empfangen. Ein Moment, der einmal mehr zeigte, welche Strahlkraft das Dreigestirn im Kölner Karneval besitzt.








Nach dem feierlichen Einzug des Elferrates mit Präsident Udo Schaaf und Sitzungsleiterin „Julie Voyage“ (Ken Reise) wurde das jecke Auditorium aus Mädels, Mädcher un Madämncher herzlich begrüßt – und anschließend direkt in Bewegung versetzt. Für die obligatorische „musikalische Gymnastik“ hatte Literat Torsten Stommel niemand Geringeren als „Kasalla“ verpflichtet. Die Band nutzte die erste halbe Stunde der Sitzung, um sowohl den Schallpegel als auch die ausgelassene Stimmung nahezu an den Anschlag zu treiben – textsicher, tanzend und mit voller Leidenschaft im Saal.
Der zweite Teil der „Sitzung nor för Mädcher“ startete nach der Pause direkt mit einer absoluten Besonderheit im kölschen Fasteleer: Den Kölsche Grielächern war es gelungen, das Kölner Dreigestirn zu überzeugen das das weibliche Publikum durch den legendären Auftritt des Trifoliums mit Tanz und Gesang zu frenetischen Fans wie bei einem Rockkonzert in Wallung zu bringen. Ein emotionaler Moment, der bei allen „jecken Wiever“ im Saal für leuchtende Augen sorgte.














Martin Schopps und „Sitzungspräsident“ Volker Weininger punkteten mit ihren humorvollen Vorträgen, während die „Karnevalsmäuse“ von „Druckluft“ sowie „Miljö“, „Räuber“ und „Bläck Fööss“ dem Saal ordentlich mit Musik einheizten. Auch das sympathische Kölner Dreigestirn um den quirligen „Prinz Niklas I.“ durfte natürlich nicht fehlen, bei deren Auftritt „Bauer Clemens“ mit seinem Trompetensolo für Gänsehaut im Saal sorgte. Darüber hinaus lieferte das Tanzcorps der KG Sr. Tollität „Luftflotte“ mit einer spektakulären Choreografie eine herausragende Performance.
Tänzerisch überzeugte das Tanzkorps „Agrippina Colonia“, das Ehrentanzkorps der Kölsche Figaros. Mit präziser Ausführung, klaren Formationen und professioneller Ausstrahlung unterstrichen sie ihren besonderen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft und wurden entsprechend gefeiert.




Traditioneller Einzug und kölsche Symbolik
Internationale Partystimmung mit den Vengaboys


Wenn das ganze Korps wibbelt
Musikalisch wurde es anschließend emotional und traditionsreich: Die Ehrenmitglieder der Dellbrücker KG, die legendären „Bläck Fööss“, betraten die Bühne. Mit einem liebevoll zusammengestellten Querschnitt ihrer bekannten und beliebten Lieder entführten sie das Publikum auf eine musikalische Reise durch Jahrzehnte kölscher Musikgeschichte. Der Saal sang lautstark mit, schunkelte im Takt und dankte der Kultband am Ende mit stehenden Ovationen und langanhaltendem Applaus. Traditionell durften natürlich auch die Orden der Gesellschaft nicht fehlen – und als Wegzehrung für die lange Nacht wurden den Musikern außerdem die obligatorischen Servierblatte Frikadellen überreicht.