Oans, zwoa – Funke! 136 Rote Funken auf Kulturmission in Bayern

Wenn 136 Rote Funken gemeinsam Richtung Bayern aufbrechen, kann man wohl mit Fug und Recht von einer größeren diplomatischen Mission sprechen. Vom 18. bis 21. September 2026 führt die diesjährige Manöverfahrt der Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V. nach Garmisch-Partenkirchen und München. Im Gepäck: kölsches Brauchtum, große Uniform, Krätzje – und reichlich Vorfreude auf vier außergewöhnliche Tage.

Besuch der Roten Funken auf der Zugspitze im Jahre 1951
Dabei knüpft das älteste Traditionskorps des Kölner Karnevals auch an seine eigene Geschichte an: Bereits 1955 standen die Roten Funken in Uniform auf der Zugspitze. 71 Jahre später kehren sie nun mit einer großen Delegation auf Deutschlands höchsten Berg zurück. Das historische Foto der damaligen Reise gehört bis heute zum Funken-Archiv – nun soll auf 2.962 Metern ein neues Kapitel dazukommen.
„Diese Manöverfahrt verbindet eigentlich alles, wofür die Roten Funken stehen: Tradition, Freundschaft, Kameradschaft und die Freude daran, kölsches Brauchtum über die Stadtgrenzen hinauszutragen“, sagt Funken-Präsident Dirk Wissmann. „Dass wir nach mehr als sieben Jahrzehnten wieder gemeinsam auf der Zugspitze stehen und anschließend beim großen Trachten- und Schützenzug in München mitmarschieren dürfen, macht diese Reise für uns zu etwas ganz Besonderem.“
Los geht es am Freitagmorgen an der Kölner Ulrepforte. Von dort reisen die 136 Funken mit Bussen zunächst nach Garmisch-Partenkirchen. Auf dem Weg dorthin gibt es mobiles Biwak auf einem Rastplatz hinter Stuttgart! Nach dem gemeinsamen bayerischen Abend wartet am Samstag einer der emotionalen Höhepunkte: In großer Uniform geht es mit Zahnrad- und Gletscherbahn hinauf auf die Zugspitze. Am Gipfelkreuz ist ein gemeinsames Korpsfoto geplant, anschließend kehren die Funken im Gipfelrestaurant „Panorama 2962“ ein. Dort empfangen wir den Bürgermeister von Grainau Stephan Märkl und überreichen ein Geschenk sowie ein Grußwort unseres Oberbürgermeisters Torsten Burmester (trägt bei uns den Spitznamen „Packan“). Am Nachmittag geht es über den Eibsee weiter nach München.
Dort treffen wir am Samstagabend im traditionsreichen Augustiner-Keller auf unsere Freunde vom Köln-Münchner-Karnevals-Verein. Bei bayerischer Küche und Musik dürfte schnell geklärt sein, daß zwischen „Alaaf“ und „Oans, zwoa, gsuffa“ weniger kulturelle Distanz liegt, als man zunächst vermuten könnte.

Besuch der Roten Funken auf der Zugspitze im Jahre 1951
80 Rote Funken mitten im großen Münchner Trachtenzug
Am Sonntag folgt der Höhepunkt der Reise. Rund 9.000 Mitwirkende ziehen beim traditionellen Trachten- und Schützenzug durch die Münchner Innenstadt zur Theresienwiese. Mittendrin: 80 Rote Funken, die als 32. Gruppe mit dem Marsch der Roten Funken durch München ziehen. Der Festzug wird live in der ARD übertragen. Die übrigen Funken verfolgen den Zug von reservierten Tribünenplätzen am Odeonsplatz und begrüßen dort ihre vorbeimarschierenden Kameraden. „Beim Rosenmontagszug dürfen wir wibbeln, Kamelle werfen und auch schon einmal ein paar Meter nach links und rechts machen. In München ist die Marschordnung deutlich preußischer – ausgerechnet für uns Kölner“, sagt Vizepräsident und Pressesprecher Boris Müller augenzwinkernd. „Aber wir werden beweisen, daß Rote Funken nicht nur Fastelovend können. Und wenn 80 Funken in großer Uniform durch die Maximilianstraße marschieren, dürfte das ein Bild werden, das man so schnell nicht vergißt.“

Steffi Schlechter tanzte in den Die Marie der Riten Funken tanzte zusammen mit ihrem Funkendoktor (Tanzoffizier) G. Lorenz Strobl in den Sessionen 1956 und 1957
Nach rund sieben Kilometern endet der Zug unmittelbar an der Theresienwiese. Dort wartet auf die gesamte Kölner Delegation bereits der nächste Höhepunkt: Alle 136 Roten Funken haben gemeinsame Plätze im Mittelschiff des Schottenhamel-Festzeltes reserviert. Hendl und Maß inklusive – wobei man in Köln bekanntlich noch darüber diskutiert, wie viele Kölsch eigentlich in eine Maß passen. Die interne Reiseleitung hat die Frage vorsorglich mit fünf beantwortet.
Am späten Nachmittag heißt es dann allerdings: Uniform aus. Die Funken verlassen gemeinsam das Oktoberfest und fahren zurück ins Hotel. Wer noch Kondition besitzt, kann am Abend in Lederhose oder ziviler Tracht noch einmal zur Wiesn aufbrechen.
Empfang in der Bayerischen Staatskanzlei
Auch der Montag steht ganz im Zeichen des offiziellen Charakters der Reise. Um 10:00 Uhr werden die Roten Funken mit einer Delegation in der Bayerischen Staatskanzlei zu einem offiziellen Empfang durch die Bayerische Landesregierung erwartet. Als Kulturbotschafter ihrer Heimatstadt überbringen sie dabei ein Grußwort und ein Geschenk des Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester, der selbst Mitglied der Roten Funken ist. Anschließend geht es zurück nach Köln.
„Wir haben im Frühjahr etwas scherzhaft von aktiver kölscher Außenpolitik gesprochen. Inzwischen ist daraus tatsächlich eine kleine Kulturmission geworden“, sagt Boris Müller. „Der Kölner Karneval und das Münchner Oktoberfest gehören zu den bekanntesten Brauchtumsfesten der Welt. Beide leben von Tradition, Ehrenamt, Gemeinschaft und davon, daß dieses Brauchtum von Generation zu Generation weitergegeben wird. Genau diese Gemeinsamkeit wollen wir zeigen.“ Und spätestens am Montagabend dürfte dann trotz Zugspitze, Wiesn und Staatskanzlei wieder kölsche Einigkeit herrschen. Denn nach vier Tagen Bayern endet die Manöverfahrt dort, wo sie begonnen hat: an der Ulrepforte in Köln. Oder, wie es im offiziellen Reiseprogramm der Roten Funken bereits heißt: „Dä, mer sin widder do!“
Text und Grafik: Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.; Foto/s: Archiv der Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.