„Husaren – Anno dazomal“: Ein Abend wie aus der Zeit gefallen – und doch lebendiger denn je

-hgj/nj- Schon beim Betreten des festlich illuminierten Lindner Hotels liegt ein Hauch von Vergangenheit in der Luft – als hätte jemand ein Fenster geöffnet, durch das die Stimmen, Lieder und das Lachen vergangener Jahrzehnte hereinwehen. Die Nostalgiesitzung „Husaren – Anno dazomal“ beginnt nicht einfach – sie entfaltet sich wie ein liebevoll komponiertes Erinnerungsstück.

Bereits im Foyer beginnt das Erlebnis. Während das Glas Sekt in den Händen der Gäste leise perlt, erfüllt der Klang eines Dudelsacks den Raum – archaisch, würdevoll, beinahe entrückt. Gespräche mischen sich mit Musik, ein erwartungsvolles Knistern liegt in der Luft. Es ist, als würde sich die Gegenwart behutsam zurücknehmen, um der Erinnerung Platz zu machen.

Mit dem Öffnen des Bankett- und Festsaales beginnt die eigentliche Inszenierung: Auf den Tischen stehen bereits die Vorspeisen bereit – ein stilvoller Auftakt, der Genuß und Geselligkeit verbindet. Doch der wahre Beginn gehört der Musik. Das Orchester Markus Quodt stimmt zum Einsingen an, und binnen Augenblicken wird aus einem Saal voller Gäste eine Gemeinschaft. Stimmen heben sich, zögerlich zuerst, dann kräftiger, sicherer. Hier singt niemand allein.

Präsident Markus Simonian begrüßt die „Husarenfamillich“ mit spürbarer Wärme. Seine Worte tragen – nicht laut, sondern echt. Es ist diese Authentizität, die den Abend von Beginn an prägt.

Die „Husaren Pänz“ bringen anschließend jugendliche Energie auf die Bühne. Ihre Tänze sind mehr als Choreografien – sie sind gelebte Zukunft des Brauchtums. Man sieht in ihren Bewegungen die Weitergabe dessen, was diesen Abend überhaupt möglich macht: Tradition, die nicht verstaubt, sondern lebendig bleibt.

Als Bernd Stelter das Podium betritt, löst sich die feierliche Spannung in herzhaftes Lachen. Mit feinem Gespür für den kölschen Humor gelingt ihm das Kunststück, Nostalgie und Gegenwart miteinander zu verweben. Seine Pointen sitzen, doch es ist seine Wärme, die den Saal einnimmt.

Zwischen den Programmpunkten entfaltet sich ein kulinarischer Rhythmus: Der Hauptgang wird serviert, Gespräche fließen, Erinnerungen werden geteilt. Dann erklingt das Jubiläumslied „Treuer Husar“, getragen von den Stimmen von Karin Hennecke, Peter Buchbinder und Sascha Klupsch. Es ist kein bloßes Lied – es ist ein kollektives Gefühl. Viele im Saal singen mit, manche leise, andere voller Inbrunst. Für einen Moment scheint die Zeit aufgehoben.

Doch was dann folgt, hebt den Abend in eine andere Dimension.

V.l.n.r.: Pressesprecher Björn Zimmer, 1. Vorsitzender Berthold Diller, Ludwig Sebus, Präsident sowie Ehrenpräsident und Sentaspräsident Dr. Marko Schauermann

Eine Ankündigung – schlicht gehalten, fast zurückhaltend: „Überraschung für Ludwig Sebus.“ Ein Name, der im Saal mehr ist als nur ein Name. Ein Name über Kölns Grenzen und das Rheinland hinweg. Ein Raunen geht durch die Reihen, Köpfe drehen sich, Blicke richten sich nach vorn.

Dann steht der gesamte Saal zu seinen Ehren auf und Ludwig Sebus ist der Mittelpunkt des Abends.

Der Applaus ist kein lauter Jubel – er ist etwas Tieferes. Respekt. Dankbarkeit. Zuneigung. Man spürt: Hier steht nicht nur ein Künstler. Hier steht ein Stück Köln.

Präsident Markus Simonian beginnt seine Laudatio – und mit jedem Satz öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit. Er spricht von 1925, jenem Jahr, das sowohl die Geburtsstunde der Treuen Husaren als auch die von Ludwig Sebus markiert. Zwei Wege, die parallel durch ein Jahrhundert verlaufen sind – verbunden durch die Liebe zu Köln.

Er erzählt von den dunkelsten Stunden: von Bombennächten, von Angst, von einer Stadt in Trümmern. Und dann von der Rückkehr, 1949 – nicht nur in eine zerstörte Heimat, sondern in eine Zukunft, die erst wieder erschaffen werden mußte.

Und was tat dieser Mann? Er begann zu singen.

Ein einfacher Satz – und doch trägt er eine gewaltige Kraft. Denn diese Lieder waren mehr als Unterhaltung. Sie waren Trost, Hoffnung, Aufbruch. Sie gaben einer Generation ihre Stimme zurück.

Markus Simonian zeichnet das Bild eines jungen Sängers, elegant, mit Fliege und Schellackfrisur, der ab 1950 von Bühne zu Bühne zog – bald liebevoll „der kölsche Caruso“ genannt. Und dann fällt der Name eines Liedes, das alles veränderte: „Jede Stein en Kölle“.

Im Saal wird es still. Fast ehrfürchtig.

Die Worte der Laudatio lassen das Lied neu entstehen: Ein Vater, ein Kind, ein Spaziergang durch Köln. Jeder Stein ein Träger von Erinnerungen, von Geschichten, von Hoffnung. Kein Pathos, keine leere Sentimentalität – sondern eine tiefe, stille Wahrheit: Dass das, was war, in dem weiterlebt, was ist.

Und daß Zukunft nur entsteht, wenn wir erzählen.

Dann kommt der Moment, der diesen Abend unvergeßlich macht.

Ein Geschenk wird hereingetragen. Kein Prunk, kein Glanz – und doch von unermeßlichem Wert: ein originaler Stein aus dem Fundament des Kölner Dom.

Ein Stein, gesetzt im 14. Jahrhundert, gedacht für die Ewigkeit.

In ihn eingraviert: der Refrain jenes Liedes, das längst Teil der kölschen Seele geworden ist.

Als Ludwig Sebus diesen Stein in den Händen hält, geschieht etwas, das sich kaum in Worte fassen läßt. Es ist, als würde sich ein Kreis schließen. Als würde Geschichte sichtbar, greifbar.

Ein Fundament für einen, der selbst zum Fundament geworden ist.

Markus Simonian findet Worte für das, was alle fühlen: Dass dieser Stein nicht nur Köln symbolisiert, sondern auch das Lebenswerk eines Mannes, der Generationen verbunden hat. Ein Mann, der Tradition bewahrt hat, ohne sich dem Neuen zu verschließen. Der Brücken gebaut hat – zwischen Alt und Jung, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Er spricht von Treue – nicht als Begriff, sondern als gelebte Haltung. Von Liebe, die sich in jahrzehntelanger Fürsorge zeigt. Von einem Menschen, der Verantwortung übernimmt, ohne je laut zu werden.

Im Saal sitzen sie alle: die, die ihn seit Jahrzehnten kennen, und die, die ihn vielleicht erst seit Kurzem verstehen. Und doch sind sie in diesem Moment eins.

Als die letzten Worte der Laudatio verklingen, brandet Applaus auf – lang, getragen, ehrlich. Es ist kein Ende. Es ist ein Dank.

Der Abend geht weiter, doch er hat sich verändert. „J.P. Weber“ bringt mit feiner Musikalität neue Leichtigkeit hinein, die „Hellige Knäächte un Mägde“ tanzen traditionell wie seit ihrer Gründung im Jahre 1823 und die „Bläck Fööss“ lassen die kölsche Klangwelt noch einmal aufblühen.

Und dann, beim großen Finale, geschieht das, was diesen Abend vollendet: Das gemeinsame Singen. Der ganze Saal steht, Arm in Arm, begleitet vom Orchester Markus Quodt unter der Leitung von Bernhard Heinl. Stimmen verschmelzen, Generationen verschwinden, und für einen Moment gibt es nur noch dieses Gefühl: Gemeinschaft.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Abend ausmacht. Nicht die Nostalgie allein, nicht die Musik, nicht einmal die bewegende Ehrung.

Sondern das Bewußtsein, Teil von etwas Größerem zu sein.  Etwas, das bleibt. Wie ein Lied. Wie ein Stein.

Quelle und Fotos: © 2026 Hans-Georg „Schosch“ und Niklas Jäckel/typischkölsch.de
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