„Alaaf“ auf 2.962 Metern – Die Roten Funken erobern Bayern

Vier Tage, 136 Rote Funken und jede Menge kölsches Hätz: Von der Ulrepforte über Stuttgart und Garmisch-Partenkirchen bis auf die Zugspitze und mitten hinein ins Münchner Trachtenmeer führte die diesjährige Manöverfahrt.
Was für eine Reise! Vom 18. bis 21. September waren 136 Rote Funken unterwegs und brachten eine ordentliche Portion kölsches Hätz nach Bayern. Die Route führte von Köln zunächst nach Stuttgart, weiter nach Garmisch-Partenkirchen und auf die Zugspitze, anschließend nach München und schließlich mitten hinein ins Oktoberfest.
Dabei ging es längst nicht nur darum, gemeinsam ein paar schöne Tage zu verbringen. Eine Manöverfahrt ist immer auch gelebtes Korpsleben: gemeinsam unterwegs sein, Geschichte erleben, Freundschaften pflegen, neue Kontakte knüpfen und natürlich auch ordentlich Spaß haben.
Und diese Reise hatte davon reichlich zu bieten. Es wurde marschiert, gesungen, gelacht, gestaunt und gefeiert. Vor allem aber gab es Begegnungen – mit Menschen, mit anderen Traditionen und mit Orten, die für die Roten Funken auf ganz unterschiedliche Weise Bedeutung bekamen.
Besonders war die Reise auch deshalb, weil sie die Funken nach 71 Jahren wieder an einen historischen Ort führte: auf die Zugspitze.

Von der Ulrepforte über Stuttgart in den Süden
An der heimischen „Ülepooz“ fiel der Startschuß für die Manöverfahrt. 136 Funken machten sich gemeinsam auf den Weg in Richtung Süden. Schon die Anreise zeigte, daß eine Reise mit den Roten Funken eben keine gewöhnliche Busfahrt von A nach B ist. Wo viele Menschen gemeinsam unterwegs sind, gehören Gespräche, Gesang, gemeinsames Lachen und natürlich auch die eine oder andere Stärkung ganz selbstverständlich dazu.
Der erste Zwischenstopp führte die Reisegesellschaft nach Stuttgart. Hier wurde die lange Fahrt unterbrochen und die Gelegenheit genutzt, einen weiteren Ort und seine Besonderheiten kennenzulernen, bevor es weiter in Richtung Alpen ging.
Solche Zwischenstopps sind bei einer Manöverfahrt mehr als reine Reiseunterbrechungen. Sie geben Gelegenheit zum Austausch und machen aus einer Fahrt eine gemeinsame Reise. Und so gehörte auch Stuttgart zu den Stationen, die diese vier Tage zu einem abwechslungsreichen Erlebnis machten.
Von dort ging es weiter nach Garmisch-Partenkirchen, wo die Funken am Abend ankamen und sich auf die kommenden Tage einstimmten.
Kölsches Hätz trifft bayerische Gemütlichkeit
Nach der Ankunft in Garmisch-Partenkirchen wurde zunächst einmal richtig bayerisch eingestimmt. Beim gemeinsamen Abend trafen kölsche Lebensfreude und bayerische Gemütlichkeit aufeinander.
Und eigentlich war damit schon ziemlich viel über diese Manöverfahrt gesagt. Denn während die Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V. ihre kölsche Art mitgebracht hatten, ließen sie sich gleichzeitig auf die Traditionen und die Gastfreundschaft ihrer Gastgeber ein. Alaaf und Oans, zwoa lagen plötzlich gar nicht mehr so weit auseinander.
Dass sich zwei Brauchtumswelten, die auf den ersten Blick ziemlich unterschiedlich wirken, bestens verstehen können, sollte sich in den folgenden Tagen noch mehrfach zeigen.

Besuch der Roten Funken auf der Zugspitze im Jahre 1951
71 Jahre später wieder auf der Zugspitze
Am Samstag (19. September 2026) wurde es dann hochalpin. Mit Zahnrad- und Gletscherbahn machten sich die Roten Funken auf den Weg zur Zugspitze. 2.962 Meter über dem Meeresspiegel warteten ein beeindruckendes Alpenpanorama und ein ganz besonderes Stück Funken-Geschichte.
Denn bereits 1955 hatten die Roten Funken die Zugspitze besucht. Ein historisches Foto aus jener Zeit hat bis heute seinen festen Platz im Funken-Archiv. 71 Jahre später sollte sich dieses Bild gewissermaßen wiederholen, allerdings mit einer größeren Funken-Mannschaft als im Jahr 1955.
Wieder standen die Roten Funken in großer Uniform auf dem Gipfel. Wieder vor der beeindruckenden Kulisse der bayerischen Alpen. Und wieder entstand ein Foto, das künftig seinen Platz in der Geschichte des Korps finden dürfte. Begeistert staunten, fotografierten und filmten alle anderen Gipfelbesucher das kölsche Spektakel auf der Zugspitze.

71 Jahre nach dem ersten Besuch standen die Roten Funken wieder auf der Zugspitze. Rot-wieß vor Alpenkulisse – ein Bild mit echtem Gänsehaut-Faktor
Auch der Bürgermeister von Grainau, Stephan Märkl, begrüßte die Kölner Delegation auf der Zugspitze. Die Roten Funken überreichten ein Geschenk und überbrachten zugleich ein Grußwort des Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester.
Dass auf 2.962 Metern nicht nur fotografiert, gefilmt und gestaunt, sondern auch getanzt werden kann, bewies anschließend das Tanzpaar Elena Stickelmann und David Eßer. Mit einer kleinen Kostprobe kölscher Tanzkultur brachten die Funken ein Stück Fastelovend auf den Gipfel.
Kölscher Tanz auf der Zugspitze? Warum eigentlich nicht. Bei den Roten Funken gehört das offenbar auch zum guten Ton.
Von den Alpen direkt nach München
Nach dem Gipfelerlebnis ging es wieder talwärts und weiter nach München. Dort warteten bereits Freunde vom Köln-Münchner-Karnevals-Verein auf die Funken. Im Augustiner-Keller wurde gemeinsam gegessen, getrunken und geklönt. Und auch hier zeigte sich, daß Brauchtum vor allem dann lebendig wird, wenn Menschen es miteinander teilen.
Hier hieß es Alaaf, dort Oans, zwoa. Hier wurde geschunkelt, dort die Maß gehoben. Unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche Getränke, unterschiedliche Trachten – und doch eine erstaunliche Gemeinsamkeit: die Freude daran, zusammenzukommen. Für die Roten Funken war dieser Abend deshalb nicht nur ein gemütliches Beisammensein, sondern auch ein weiterer Höhepunkt einer Reise, die immer stärker vom gegenseitigen Kennenlernen geprägt wurde.
Rot-wieß mitten im bayerischen Trachtenmeer: 80 der insgesamt 136 Roten Funken
marschierten beim Münchner Trachten- und Schützenzug mit
Rut-wieß mitten im Münchner Trachtenmeer
Am Sonntag (20. September 2026) wurde es öffentlich. Beim traditionellen Münchner Trachten- und Schützenzug marschierten 80 Rote Funken mit. Rund sieben Kilometer führte der Festzug an jubelnden Münchener Bürgern und Gästen aus aller Welt durch die Münchner Innenstadt bis zur Theresienwiese.
Tausende Teilnehmer aus Trachtenvereinen, Schützenvereinigungen, Musikkapellen und zahlreichen weiteren Gruppen machten den Zug zu einem großen bayerischen Brauchtumsspektakel. Und mittendrin marschierten 80 Funken der 136 angereisten Kölner Jecken in Rot und Weiß.
Für die Funken war das durchaus eine besondere Erfahrung. Denn wer den Kölner Rosenmontagszug kennt, weiß, daß dort neben der eigentlichen Marschordnung auch Wibbeln, Ausscheren und Kamellewerfen ihren festen Platz haben können. In München ging es deutlich geordneter zu, um nicht zu sagen preußischer als im Rheinland.
Die Roten Funken stellten sich der Herausforderung – und sorgten dabei für reichlich Aufmerksamkeit.

Rote Funken-Präsident Dirk Wißmann (rechts) ernannte in Beisein von Markus Ritterbach (Roter Funken und ehemaliger Festkomitee-Präsident) und Marie Elena Stickelmann Christian Schottenhammel zum neuen EHREN-Funken-Leutnant der Reserve
Wo sonst Trachten, Lederhosen und Dirndl das Straßenbild bestimmten, leuchteten plötzlich die roten Uniformen durch die Münchner Innenstadt. Am Straßenrand wurde gewunken, fotografiert und den Kölnern zugejubelt. Und natürlich blieb auch das kölsche „Alaaf“ nicht aus.
So wurde aus einem bayerischen Traditionszug für ein paar Stunden auch ein kleines Stück Köln mitten in München.
Sieben Kilometer später: Ab auf die Wiesn
Nach rund sieben Kilometern Marsch war die Sache erledigt. Die Füße hatten ihren Dienst getan – das Funken-Hätz allerdings war noch lange nicht müde. Denn direkt nach dem Trachtenzug wartete bereits das nächste große Erlebnis: das Oktoberfest. Für alle 136 Roten Funken waren Plätze im Schottenhamel-Festzelt reserviert. Nun durfte die Uniform ausgezogen und die Marschordnung gegen gemütliches Beisammensitzen eingetauscht werden.
Hendl statt Halver Hahn, Maß statt Kölsch und Wiesn statt Zülpicher Straße. Ganz ohne kölsche Betrachtung ging es natürlich trotzdem nicht. So stellte sich irgendwann die vielleicht wichtigste Frage des Tages: Wie viele Kölsch passen eigentlich in eine Maß? Die Reiseleitung hatte die Antwort vorsichtshalber schon parat: fünf. Ob diese Rechnung jemals wissenschaftlich überprüft wurde, ist nicht überliefert. Dass sie für reichlich Gesprächsstoff sorgte, dagegen schon.
Nach sieben Kilometern Marsch war jedenfalls klar: Jetzt durfte es etwas gemütlicher werden. Die Roten Funken genossen gemeinsam die Wiesn und ließen den ereignisreichen Tag ausklingen.
Köln und München – Brauchtum mit viel Hätz
Vielleicht lag genau darin der besondere Reiz dieser Manöverfahrt. Die Roten Funken waren nicht einfach nach Bayern gefahren, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Sie hatten ihr Köln mitgenommen: ihre Uniform, ihre Geschichte, ihre Musik, ihre Freundschaften und vor allem ihr kölsches Hätz.

Dirk Wißmann und Elena Stickelmann überreichen Dr. Johannes Urban, Referatsleiter der Bayerischen Staatskanzlei die Gastgeschenke des Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester und den 2026er Sessionsorden ihres Traditionskorps
Gleichzeitig begegneten sie der bayerischen Kultur mit Offenheit und Interesse. Sie ließen sich auf das ein, was ihnen begegnete, und machten dabei die Erfahrung, dass Brauchtum auch über große Entfernungen hinweg verbinden kann.
Denn am Ende braucht es gar nicht so viel, damit unterschiedliche Traditionen zusammenpassen: ein bisschen Neugier, gegenseitiger Respekt und vor allem die Bereitschaft, gemeinsam zu feiern. So trafen während dieser vier Tage Alaaf und Oans, zwoa aufeinander, Kölsch auf Maß, Rosenmontag auf Wiesn und rut-wieß auf Weiß-Blau. Un wat soll mer sage: Et paßt.
Zum Abschluß in die Bayerische Staatskanzlei
Am Montag bekam die Manöverfahrt noch einen offiziellen Schlußpunkt. Eine Delegation der Roten Funken wurde in der Bayerischen Staatskanzlei empfangen.
Damit endete eine Reise, die vom ersten Kilometer an von Begegnungen geprägt gewesen war. Die Funken hatten Grüße aus Köln überbracht, bestehende Freundschaften gepflegt und neue Eindrücke gesammelt. Sie hatten Geschichte auf der Zugspitze erlebt, sich mitten in München in einen bayerischen Traditionszug eingereiht und gemeinsam mit ihren Gastgebern gefeiert.
Vor allem aber hatten sie gezeigt, daß kölsches Brauchtum auch weit außerhalb der Domstadt seinen Platz findet – und daß Begegnungen zwischen unterschiedlichen Kulturen und Traditionen dann besonders schön werden, wenn beide Seiten ihre eigene Identität mitbringen und zugleich offen für die andere sind. Dann hieß es langsam: Auf nach Hause.
Quelle (Text): © 2026 Hans-Georg „Schosch“ und Niklas Jäckel/typischkölsch.de; (Foto/s): Niki Siegenbruck – Foto & Grafik | Köln / Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V. sowie Archiv Rote Funken, Köln
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